Montag, 3. August 2020

Dem Herzen folgen - einfach da sein ­č匭čĺŚ

  
Es ist noch nicht lange her, da war ich der absolute "Begr├Ąbnismuffel". Bis auf wenige Ausnahmef├Ąlle fand ich f├╝r mich immer eine Entschuldigung um nicht bei solchen "Feierlichkeiten" teilnehmen zu m├╝ssen: 
"Derjenige h├Ątte ja ohnehin nichts mehr davon"
"Verabschieden kann ich mich ja auch sp├Ąter allein"

Erst als mein Vater seinen Weg angetreten hatte, erkannte ich als trauernde Hinterbliebene, wie gut Beileidsbekundungen tun k├Ânnen. Gerade von jenen, die es tun, nicht weil sie sich verpflichtet f├╝hlen und denken, zu m├╝ssen, sondern von jenen, denen es ein echtes Bed├╝rfnis ist.

Als mich vor Kurzem die Nachricht vom pl├Âtzlichen Ableben eines Cousins einen Tag vor seinem 50igsten Geburtstag erreichte, gab es f├╝r mich keinen Zweifel, dass ich bei seiner Verabschiedung dabei sein wollte. Nicht, weil wir uns so nahe standen, das Gegenteil war eher der Fall.  Wenn ich an ihn denke, dann sehe ich ihn als Kind vor mir, wenn wir bei unseren Gro├čeltern zusammen kamen. Der Erwachsene blieb mir fast zur G├Ąnze fremd. Es gab kaum Ber├╝hrungspunkte.

Er war ein Teil meiner Kindheit. Spannend, dass ich gerade in den letzten Monaten ├Âfters an ihn dachte.

Meine Cousine, seine j├╝ngere Schwester, hatte in den letzten 9 Jahren mit ihm 5 ihrer n├Ąchsten Verwandten verabschieden m├╝ssen. Grund genug, dem dringenden Bed├╝rfnis nachkommen zu wollen, an diesem Tag bei ihr zu sein.

Besch├Ąftigt hat es mich dennoch im Vorfeld und um ein Haar w├Ąre mein Vorhaben aufgrund
technischer Probleme verhindert worden. Als ich angekommen war, nahm mich meine Cousine zun├Ąchst gar nicht richtig wahr, obwohl ich sie angesprochen hatte. Wahrscheinlich hatte sie mich mit einer anderen Haarfarbe in Erinnerung und der Mund-Nasen-Schutz tat sein ├ťbriges.

Ich setzte mich also hinter sie. Au├čer ihr kannte ich niemand der Anwesenden. Seine Witwe hatte ich wohl schon 1-2 Mal fl├╝chtig gesehen, h├Ątte sie aber nicht erkannt.
Am Ende der Trauerfeier verabschiedete ich mich von meiner weinenden Cousine und wir
umarmten uns mit ein paar Worten.  Die Zukunft wird zeigen, ob neue Bande wachsen oder nicht.

Am Heimweg wollte ich endlich die Grabst├Ątte meiner/unserer Gro├čeltern besuchen um eine Kerze anzuz├╝nden. Ein Vorhaben, dass ich schon l├Ąngere Zeit vor mir herschiebe. Dabei ├Ąnderte ich meine Route und fuhr eine Stra├če entlang, in der sie fr├╝her gelebt haben und wo  f├╝r mich der Verbindungspunkt zu meinem Cousin lag. Einen Teil des Weges legten wir fr├╝her zur├╝ck, wenn wir die Gro├čeltern besuchten, es war auch Teil des Weges, den meine Oma zu bew├Ąltigen hatte, wenn sie einkaufen ging. Viel hat sich ver├Ąndert. Wo einst Felder und G├Ąrten waren, sind jetzt neue Stra├čen entstanden. Ein kleiner Hauch von Nostalgie und Erinnerung streifte mich.

Das Leben geht vorw├Ąrts - unaufhaltsam! Hier war es ganz deutlich sichtbar.

Obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich die richtige Abzweigung zum Friedhof finden w├╝rde, befand ich mich auf Anhieb auf dem richtigen Weg. Schon war ich am Parkplatz angelangt. Am Grab meiner Gro├čeltern z├╝ndete ich eine Kerze an. Sie teilen ihre letzte Ruhest├Ątte nunmehr mit zwei meiner Cousinen, meiner Tante und ihrem Mann. 

Das Leben ringt uns manches Mal ziemlich viel ab. In diesem Fall ganz sch├Ân viel von meiner Cousine, die einzige noch Lebende aus dieser Familie. Noch dazu hat sie die Verantwortung f├╝r die  Tochter ihrer mit 30ig Jahren  verstorbenen Schwester ├╝bernommen hat.

Demut - Betroffenheit! Einfach da sein! Nicht m├╝ssen, sondern einem Gef├╝hl, meinem Herzen folgend habe ich mich letztlich selbst beschenkt.

Ruhe in Frieden, "kleiner" Cousin - als Erwachsene blieben wir uns nahezu fremd, aber der kleine, blonde Knirps wird unvergessen in meinem Herzen bleiben.
  

Von ­čĺŚ zu ­čĺŚ





(c) erika.klann

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