Samstag, 9. Dezember 2017

Die zweite Chance, oder Dezember ist's

Als mein Vater vergangenen Februar im Krankenhaus lag und sich sein Zustand täglich verschlechterte, er kaum reagierte, saß ich weinend an seinem Krankenbett und hielt seine Hand. Vom Krankenhauspersonal war immer nur  zu hören "Ist schon alt", "kein Reha-Potential", "so wie er war wird er nicht mehr...."

Papa war vor dem Krankenhausaufenthalt für seine 90ig Jahre sehr fit und deshalb ließ ich "alt" nicht gelten.  Ich betete zu Gott, er möge ihm doch noch ein paar glückliche Jahre geben.
Es war alles für eine 24h-Pflege vorbereitet und er würde sich nicht mehr um meine Mutter kümmern müssen...ich tat was ich auf energetischer Ebene tun konnte und ja, mein Vater wurde wieder wach und schluckte. Gerade noch rechtzeitig, bevor man ihm eine Ernährungssonde verpassen wollte...

Zuhause war alles vorbereitet und so übernahmen wir ihn so rasch es ging in häusliche Pflege.

Mein Vater hatte seine zweite Chance bekommen!

Zuhause jedoch konnte er keine Freude finden:
Ging ich mit ihm spazieren, so beklagte er, dass er noch vor kurzer Zeit viel weiter gegangen war. Mein Hinweis, dass er trotz Hirnblutung und 90 Jahren eine Strecke von 2 km zu Fuß zurück legen konnte, interessierte ihn nicht wirklich. Es verging auch kein Tag an dem er sich nicht über das Essen der Pflegerinnen beschwerte. Ja, er hatte so verschiedenste "Probleme" an denen er sich mit aller Konsequenz festkrallte. Das Schöne und Gute vermochte er nicht zu sehen.

- Oft fragten wir ihn, ob er wisse, welchen Monat wir haben, worauf er spontan "Dezember" sagte. "Aber Vater, schau doch, wie schön die Blumen blühen, wie alles sprießt und gedeiht. Kann es wirklich Dezember sein?" Darauf erwiderte er nichts.
- Dass ich Holzdekor in die Rosenbeete streute, um zu raschen Unkrautwuchs zu verhindern, bemerkte er sehr wohl, aber nicht im positiven Sinn, denn es gefiel ihm nicht.
- War ich mit ihm im Wald, damit er Waldluft atmen konnte, wollte er nachhause um sich hin  zulegen.
- Gingen meine Tochter und ich mit ihm Eis essen, das er früher immer sehr mochte, war es ihm zu kalt.
Egal wie wir ihn zu motivieren versuchten, wir scheiterten.

So ließ er sich immer mehr und mehr in jene Energie aus dem Krankenhaus fallen "alt" und "kein Rehapotential" -  "Ich bin schon fast 100", keifte er mir einmal entgegen, als ich ihn zum Rausgehen motivieren wollte.

Seine Konsequenz machte sich mit der Zeit bezahlt, denn sein Zustand wurde immer schlechter und er wurde auch immer schwacher, trotz bester Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und energetischer Behandlungen.
Träumte er zwar noch vom Autofahren oder seinem Hobby als Sportschütze, so zeigte er in Wahrheit keinerlei Anstalten dorthin zu gelangen. Er konzentrierte sich auf alles Negative, wollte sich nicht einmal mehr selbst rasieren. "Dazu sind ja die Pflegerinnen da."
Nur meine Tochter die einen besonderen Zugang zu ihm hatte, konnte ihn ab und an motivieren. Ich glaube, dass er dies mehr ihr zu liebe tat.

Nach 9 Monaten in einer sternklaren Nacht, genau einen Monat vor seinem 91. Geburtstag tat mein lieber Papa seinen letzten Atemzug. Danach strahlte er einen ganz besonderen Frieden aus, bis seine Energie und seine Seele ganz seinen Körper verlassen hatten.
Drei Stunden später sah ich eine Sternschnuppe am klaren Nachthimmel dieses 22. Novembers und bei mir zuhause blühte während dieser letzten Stunden seines irdischen Lebens eine Orchidee auf.

In dem Moment, in dem wir aus unserem Körper gehen, ist alles egal, jeder Kampf, jedes Streben nach...., alles Materielle was wir je angehäuft haben, jede Sorge. Nichts ist mehr wichtig! Alles ist in Frieden.

Nun ist es Dezember geworden. Draußen ist es nebelig und grau. Ab der Wintersonnenwende werden die Tage wieder länger und ein neuer Zyklus kann beginnen.
Mein Vater kam zur Wintersonnenwende am 22. Dezember 1926 zur Welt und sein Zyklus schloss sich einen Monat vorher.

Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Seele mit ihrer Inkarnation auch die Zeitspange ihres Lebens festlegt. Wie wir jedoch damit umgehen und was wir daraus machen unterliegt dann unserem freien Willen.

Wir können unsere Lernaufgaben lösen und glücklich sein, oder uns auf all das Negative besinnen, dass uns so im Laufe des Lebens begegnet. Ich selbst versuche die Dinge immer von allen Seiten zu betrachten, weil es genauso "ungesund" ist, sich alles nur schön zu reden. Es ist wichtig, diesen Emotionen Raum zu geben und sie anzusehen.

Dennoch! Um glücklich zu sein, muss man bereit sein, auch das Glück zu sehen!
Nämlich ganz aus seinem Inneren heraus.

Bist du bereit? Erlaubst du es dir, bedingungslos glücklich zu sein?
Wenn nicht, was ist dein Gewinn daraus? Glaubst du, dass dies der bessere Weg ist?
Sich aufzuopfern, bis du zusammen brichst?

So wie du mit Nichts auf diese Erde kommst, gehst du mit Nichts, außer mit dem, was du deiner Seele Gutes getan hast, denn das war es auch, warum du gekommen bist.


Von 💗 zu 💗









(c) Erika Klann

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