Donnerstag, 5. November 2015

vom Müssen ins Können... oder.... vom Mangel in die Fülle

Soweit ich mich zurück erinnern kann, habe ich das Alleinsein "gehasst".

Mein älterer Halbbruder wuchs bei seiner Mutter auf. Bei uns war er nur 14tägig einen Tag lang zu Besuch. Ich habe mir oft diese Tage herbeigesehnt, weil es für mich bedeutete "endlich nicht allein zu sein". Ansonsten verbrachte ich meine ersten Lebensjahre sehr viel Zeit allein.
Viele Kinder gab es in der Nachbarschaft nicht. Jede Gelegenheit auf Gesellschaft nahm ich dankbar an, aber auch so einiges in Kauf:
So waren da die etwas älteren Nachbarsbuben, die mit einem kleinen Mädchen wie mir so manche Streiche spielten.Dennoch war ich immer wieder froh Besuch zu bekommen.

Einmal geschah es, dass ich ein Mädchen, das ebenso aus der Nachbarschaft war, gar nicht mehr heimgehen lassen wollte und das Tor verschloss. Bis heute ist mir dieser Übergriff aus Angst vor dem Alleinsein im Gedächtnis. Dabei mochte ich sie nicht einmal besonders....

Im Kindergarten herrschte ein "Regiment", das sehr straff war. Freies Spielen gab es nicht. Die meisten, schönen Spielsachen durften wir gar nicht verwenden. Sobald ich vom Kindergarten nachhause kam, kam sofort der Wunsch nach "Kindern" auf. Meine Mutter fand es sehr lustig, dass ich kaum aus dem Kindergarten zuhause ein "ich will Kinder" verlauten ließ.

Ja, so war sie immer da, die Sehnsucht nach mehr - nach Gemeinschaft.

So schuf ich mir schon als kleines 2-3jähriges Wesen meine eigene Gemeinschaft - in Form von imaginären Freunden. Wir waren oft bis zu 4 .....

Als ich ungefähr 5-6 Jahre war, übersiedelten meine Eltern und ich von einem Miethaus in eine Mietwohnung - zu meinem Großvater. Dort wohnten gaaanz viele Kinder. Rückblickend waren das die schönsten Jahre in meiner Kinderzeit. Kinder sämtlicher Altersklassen - ich eher eine der Kleinen und immer war was los. Mein Wunsch dazuzugehören brachte natürlich nicht immer nur nette Begegnungen. Die "Großen" machten mit uns" Kleinen" schon so  manchen "bösen" Scherz. Wenn wir abends alle zuhause waren, war ich oft auf die anderen neidisch, da fast alle Mehrkindfamilien waren - und ich war wieder allein.

Später übersiedelten wir wieder in ein Einfamilienhaus und wieder war der Zug nach Draußen extrem groß. Kaum aus der Schule war ich schon unterwegs - als "Schlüsselkind" ging das auch sehr gut ;-) ....  

So manche Wochen der Sommerferien verbrachte ich bei einer Tante. Wochentags waren wir beide allein in dem Sommerhaus. Für mich war es dort sehr einsam. Keine Kinder weit und breit und meine Tante hatte auch ihre Tätigkeiten zu verrichten.

In diesen vielen Momenten des Alleinseins begann ich wieder aus meiner Not eine Tugend zu machen und spielte z.B. allein Karten - Romy - und nahm dabei 2 verschiedene Plätze ein und später sogar Canasta - allein zu viert. Nachdem ich zu mir auf jeden Platz ehrlich sein wollte - beschummelte ich mich auch nicht und grenzte mich von meinen anderen Plätzen/Rollen ab. Ich konzentrierte mich jeweils auf die Karten, die ich auf diesem Platz zur Verfügung hatte. Ein faires Spiel war mir wichtig.

Unterm Strich gewann ich immer - selbst wenn ich verlor.

Ich glaube in diesen Zeiten lernte ich mich abzugrenzen, mich einzufühlen, fair zu bleiben und doch in einer Gruppe zu sein.

In meinem späteren Leben zog es sich natürlich fort, diese Suche nach Menschen,  nach Freundschaft - und die Flucht vor dem Alleinsein. Dabei lebte ich so manchen faulen Kompromiss.

Dennoch kam es immer wieder zu Situationen, die Alleinsein mit sich brachten, ja sogar erforderten, wie z.B. in meinem damaligen Beruf.

Als meine Kinder älter wurden und ihre eigenen Wege gingen, stand ich vor der Wahl, wie ich nun meine Zeit weiter verbringen sollte. So begann ich Schritt für Schritt immer öfter alleine Unternehmungen zu machen und dabei lernte ich auch, diese Unternehmungen zu genießen.

So kam es dann auch so, dass ich mich vor einigen Jahren dazu entschloss den Silvesterabend allein zu verbringen. Gerade Silvester, wo man oft das Gefühl hat und auch ich hatte, man müsste ihn feiern und unter Menschen sein. Ich entschied mich damals diesen letzten Tag des Jahres zu zelebrieren und ihm auch den für mich gebührenden Rahmen zu geben....

... so begab ich mich nachmittags bei Sonnenschein zu einem ausgiebigen Spaziergang, bei dem ich die Erfahrungen und Beobachtungen des vergangenen Jahres Revue passieren ließ. Es war teilweise sehr emotional, ebenso begleitet von einer großen Dankbarkeit. Im Anschluss stattete ich  meinen Eltern einen Besuch ab. Wieder zuhause räucherte ich die Wohnung, genoss einen wundervolles, reinigendes Bad um es mir später im Wohnzimmer gemütlich zu machen. So tanzte ich sogar mit Bon Jovi, von dem im TV eine Show ausgestrahlt wurde. Es war ein tolles Gefühl und später sah ich das 1. Mal "Dinner for One" im Fernsehen - ich habe so herzlich gelacht, wie lange nicht mehr.... kurz vor Mitternacht kam schon fast Stress auf, da noch der Sekt zu öffnen war. Bewaffnet mit dem Glas Sekt verließ ich die Wohnung um das Feuerwerk in der Umgebung anzusehen. Ich nahm am Parkplatz auf einem Mäuerchen Platz und ich hatte das Gefühl dieser Platz wäre meine ganz persönliche Loge und all das Feuerwerk war nur für mich. Ich strahlte und ich war glücklich. Glücklich über meine Wahl vollkommen druck- und erwartungsfrei diesen besonderen Abend zu begehen. Später schlief ich mit einem Lächeln ein.  Ich war frei - frei von dem Zwang jemand zu brauchen.

Diese Erfahrung war für mich nicht zuletzt ein Durchbruch und ein Stück weiter zur Freiheit
und es war auch nicht der letzte Silvesterabend dieser Art.

Allein zu sein und dennoch ein Fest zu feiern. Nicht in eine Einsamkeit versinken oder sich einfach "weg-zuschlafen" - nach dem Motto - mir ist es egal, ob Silvester oder sonst ein Tag ist - ich gehe ohnehin schlafen. Ist natürlich auch eine Wahl. Dennoch steht das Jahresende auch symbolisch für Rückschau, Abschluss und dann Neubeginn. Grund genug diesem Tag auch eine besondere Ehre zuteil werden zu lassen. Wenn wir immer nur so dahin-leben, wo ist dann das Salz des Lebens? Wo die Freude und der Spaß?

Wir machen uns oft von anderen Menschen oder äußeren Umständen abhängig.

"Wenn ich einen Partner/eine Partnerin hätte, dann wäre alles leichter" - sind so Grundaussagen, an denen wir gern unsere Befindlichkeiten knüpfen. Oder die Antwort auf die Frage "Wie geht es dir?" -> "So wie es die anderen wollen."  Ist diese Aussage nicht sehr bedauerlich?
Das eigene Befinden an andere zu knüpfen.

Freilich ist es fein Zeit mit Freunden zu teilen. Eine glückliche Partnerschaft ist mit Sicherheit etwas Wunderschönes und Bereicherndes. Wenn diese Umstände aber gerade nicht zutreffen, wäre es doch schade um die "unzufriedene" Lebenszeit, die man zweifelsfrei im Mangel verbringt. Das Leben ist dazu da glücklich zu sein und zwar glücklich aus deinem Inneren, ohne äußeren Grund.

Ich habe auf  meinen Weg gelernt, dass ich selbst die Quelle für mein Wohlbefinden bin. Dass ich selber die Wahl habe, welche Perspektive ich einnehme und wie ich mich positioniere. Ich selbst kann mir die beste Freundin sein, wenn ich drauf achte, was mir gut tut, oder nicht.

Manchmal braucht es die Zeit des Alleinseins um sich selbst wieder näher zu kommen. Um sich selbst zu erkennen und auch um Altes loszulassen. Das heißt natürlich nicht, dass man alles allein schaffen muss - auch ich suche mir Hilfe (z.B. mittels Kinesiologie oder Aufstellung), wenn ich das Gefühl habe nicht weiterzukommen.

Alleinsein ist kein Grund traurig oder einsam zu sein.

Das Leben ist wundervoll - nur du hast in der deiner Hand wie du es empfindest !!

Du selbst bist die Quelle allen SEINS - eine Quelle die nie versiegt - du brauchst es nur er-kennen und zu-lassen !












































(c) Erika Klann
 

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