Donnerstag, 3. Dezember 2015

"Wie geht es dir?" - Floskel oder Interesse?

Wie oft haben wir diese Frage schon gestellt bzw. gestellt bekommen?
 
Was genau macht aber die Antwort mit dir - wenn du jemandem diese Frage stellst?
Bist du bereit, wenn du zu jemandem "Wie geht es dir?"  sagst, dir auch tatsächlich alles anzuhören, das da kommen könnte?
 
Ist es nicht so, dass wir am Liebsten ein "Danke, gut" hören ?  - Gott sei Dank  - Danke gut, bedeutet es gibt nichts weiter zu bereden - du brauchst dich nicht weiter auf die Befindlichkeit des Gefragten einlassen. Diese Antwort ist wohl den meisten Menschen die liebste Antwort, vor allem jenen die "Wie geht es dir?" ausschließlich als Höflichkeitsfloskel verwenden.
 
Aber was passiert, wenn plötzlich aus jemandem seine ganze Befindlichkeit herausbricht. Wenn dir jemand mit einem Mal ganz direkt und ohne Vorwarnung sagt, wie es ihm gerade wirklich geht. Wo seine Not gerade liegt? Seine Ängste und Sorgen? Wenn er vielleicht sogar in Tränen ausbricht?
Was machst du dann? Wie gehst du mit dieser Situation um?
 
Versuchst du dich so rasch als möglich aus dieser Situation zu befreien, um dich  nur ja nicht auf das "Leid" des anderen einlassen zu müssen, weil dann dein eigenes "Leid" vielleicht viel zu präsent wird? Oder am Telefon - hast du es plötzlich eilig und musst nun leider das Gespräch beenden?
 
Oder bricht plötzlich dein eigenes Leid ganz groß heraus und anstatt den anderen aufzufangen bzw. aufzumuntern, ihm gut zuzureden, ihn in den Arm zu nehmen - stülpst du ihm all das über, was dich gerade beschäftigt? Dein Stress im Beruf, deine Beziehungsprobleme, deine Sorgen mit den Kindern..... usw.
 
Plötzlich wird aus einem "Wie geht es DIR?"  ein - "Ich klage dir nun MEIN Leid" und mein Leid ist auf jeden Fall wichtiger als deines.
 
Mangel und Opferdenken stehen auf einmal im Raum, ohne dass du es bemerkt hast.
 
Plötzlich steht der Mensch, der sich dir anvertraut hat da und weiß gar nicht wie ihm geschieht.
 
Ob es ihm wohl geholfen hat, wenn du ihm erzählst, dass es dir ja viel schlechter geht?
Oder wäre es nicht genug gewesen, dich ein wenig in den Hintergrund zu stellen, die Not des anderen zu erkennen, ihm einfach zuzuhören und ihm eventuell Mut zu machen, dass sicher wieder bessere Tage kommen? Ihm vielleicht sogar Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich etwas verändern könnte?
 
Weißt du, dass die Frage "Wie geht es dir?" auch mit einer Verantwortung verbunden ist - sofern du diese Frage wirklich ernst meinst?
Es geht um die Verantwortung, deinem Gegenüber auch den, mit der Frage verbundenen Raum einer möglicherweise nicht so positiven Antwort, zu geben.
 
Menschen sind sehr unterschiedlich in ihren Reaktionen.
 
Manche Menschen distanzieren sich vollkommen, wenn du ganz ehrlich sagst, wie es dir gerade geht. Das hat aber gar nichts mit DIR zu tun, sondern ist einfach ihr ganz eigenes Thema, dass sie im Grunde so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie für deinen momentanen Zustand keinen Platz schaffen können.
 
Ich schreibe hier ausschließlich von momentanen Zuständen - nicht von Dauerproblemen, wo wohl Lösungen angeboten, aber einfach nicht angenommen wurden (konnten). Ein Daueropferdasein ist auf Dauer für alle "Zuhörer" sehr belastend  und da gilt es gut auf sich selbst zu schauen. In solchen Fällen kann nur therapeutische Hilfestellung wirksam weiterhelfen.
 
Ich persönlich schöpfe gern aus meinem eigenen Er-lebten, aber nicht um mein Leid damit kund zutun, sondern um aufzuzeigen, dass es IMMER einen AUS-Weg aus der Krise gibt.
 
Das Leben bringt uns immer wieder neue Gelegenheiten. Neue Wege.
 
Sei dir bewusst, dass die Frage "Wie geht es dir?" viele verschiedene  Antwortmöglichkeiten in sich birgt  und ob du wirklich  bereit dafür bist.
 
Ich habe sogar  schon erlebt, dass jemand richtig zusammengezuckt ist, als ich sagte:
"Danke, es geht mir sehr gut. Ich bin glücklich."
 
Sehr spannend, diese Erfahrung  :-) :-) :-)
 
Wenn du ganz bei dir bist, ganz in dir ruhst, dann kannst du jede Antwort nehmen und entweder einen Menschen auffangen oder dich einfach nur mitfreuen.
Wenn du es nicht kannst, dann befindest du dich im Mangel. Diese Erkenntnis bietet dir die große Möglichkeit die Urverletzung, die hinter diesem Mangelzustand liegt, herauszufinden, aufzulösen und loszulassen. Loszulassen für ein freies, selbst bestimmtes Leben. Ein Leben in Selbstliebe und Liebe für die deine Mitmenschen und die Welt.
 
Entscheide, ob du der Welt ein Licht sein möchtest, das viele Lichter entzündet.
 

 


(c) Erika Klann

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