Freitag, 7. Oktober 2016

Sport und Genuss - geht das ?

Am letzten Sonntag im September umrundete ich mit einer Freundin den österreichischen Teil des Neusiedler Sees. Dabei handelt es sich um mehr als 80 km, die zu absolvieren sind.
Ich bin wohl oft mit dem Rad unterwegs und kenne auch Teile dieses Radweges, aber die ganze Strecke bin ich vorher noch  nicht gefahren.

Nachdem aber zu diesem Zeitpunkt die Fahrradfähre nur am kürzesten Stück regelmäßig in Betrieb war und alle anderen Möglichkeiten uns zu sehr eingeschränkt hätten, wollten wir es wagen und starteten schon am Vormittag mit unserer Reise.

Grundsätzlich wollten wir unsere Fahrt gemütlich angehen, bemerkten jedoch beide, dass wir ziemlich schnell fuhren. Beide waren wir der Meinung, dass wir uns viel mehr Zeit lassen könnten und uns nichts drängen würde. "Viel mehr die Gegend genießen"
Anfangs fuhren wir dann etwas langsamer, merkten aber bald, dass wir unser Tempo schon wieder erhöht hatten.

Wie auch immer, wir haben es geschafft und es war eine wunderbare Erfahrung.

Ich mag die Gegend sehr und schon nach nicht ganz einer Woche zog es mich wieder zum See. Diesmal ohne Begleitung und ohne fester Vorstellung, welchen Teil  ich befahren würde. Ich wollte einfach nur ein Stück fahren und dazwischen den See und die Landschaft genießen.

Noch während der Autofahrt hatte ich keine Ahnung, an welchem Ende des Sees ich nun fahren würde und ließ mich einfach treiben. Ich entschied dann spontan, mit dem Auto nicht viel weiter zu fahren, als nötig, und parkte mich, mit meinem Fahrrad am Wagen, beim nächstgelegenen Seebad ein.

Von dort startete ich dann zunächst Richtung Radweg und machte mich in eine Richtung auf. Gemütlich wollte ich die Umgebung erkunden. Trotzdem ich es nicht eilig hatte, passierte ich Ortschaft um Ortschaft und schon war ich bei dem Strandbad gelandet, in dem ich meistens meine Sommer verbringe.

Dort nahm ich auf dem Steg Platz, verzehrte einen Teil meiner Jause und betrachtete die Umgebung. Es waren relativ viele Menschen dort, ja sogar welche mit ihren Liegebetten und üblichen Sommerausstattungen. Einige erkannte ich vom Sommer. Der Betrieb war jedoch schon eingeschränkt. In den letzten beiden Wochen war auch das bisherige Seerestaurant, welches neu gebaut werden soll, abgetragen worden. Ja, so schnell verändern sich die Dinge.

Ich legte mich eine Weile auf den Holzsteg und tankte die Sonne.

Nach einer knappen Stunde machte ich mich wieder auf den Rückweg. Kurz überlegte ich , ob ich noch weiter fahren soll, entschied mich aber dagegen.
Gemütlich, langsam, mit allen Sinnen machte ich mich auf die Reise.

Es war wirklich eine genussvolle Fahrt. Da der Weg immer wieder durch die Weingärten führte, lag der Geruch von gegärten Weintrauben in der Luft.
Die meisten Weintrauben waren schon geerntet, oder man war gerade fleißig mit der Weinlese beschäftigt. Ja, Herbst, Erntezeit. Eine wundervolle Stimmung.

Glücklich und zufrieden erreichte ich meinen Ausgangspunkt und suchte dort im Strandbad nach einer freien Bank, die ich auch bald fand. Dort war es sogar wärmer und windstiller, als auf der anderen Seeseite.

Nicht nur Erwachsene nahmen ein Bad an diesem 1. Oktober, nein, sogar Kinder plantschten im Wasser, wie im Sommer. Interessiert schaute ich ihnen zu, verspeiste dabei den Rest meiner Jause und genoss den Weitblick über den See, die Ruhe, die herrliche Stimmung und die herbstlich, warmen Sonnenstrahlen.

Ich saß dort gut 1 1/2 Stunden, bevor ich mein Rad wieder auf mein Auto packte und die Heimreise antrat.

Ich hätte wohl noch länger mit dem Rad fahren können. Diesmal waren es in Summe ca. 34 km. Vierundreißig gemütliche Kilometer, ohne Anspruch, noch mehr tun oder leisten zu müssen.

Ich hatte dafür gesorgt, dass ich als Körper-Geist-Seele-Wesen alle Aspekte bestmöglich in Balance bringe.

Körper - die Bewegung
Geist - die vielen Eindrücke und Inspirationen
Seele - auf  meine innere Stimme hören, nichts zu müssen.

Wie oft übersehen wir unsere Grenzen? Das geht noch und das geht auch noch und naja, das geht schon auch noch... ist es nicht so?
Ich konnte die Herausforderung der  mehr als 80 km gut meistern und werde sie sicher einmal wieder fahren - einmal.
Der kurze Teilbereich war für mich gerade die richtige Mischung zwischen Sport und Müßiggang.

Ich wünsche dir viel Genuss bei all den Dingen, die du machst.

Von Herz zu Herz

















(c) Erika Klann




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