Samstag, 21. Mai 2016

Der Wert eines Lebens - die Chance eine Taube vor dem Tod zu bewahren

Wenn ich am Morgen die Rollläden raufziehe, wartet  meistens meine Katze Belinda schon draußen auf ihr Frühstück.
 
Eines Morgens war sie nicht da. Ich begann mir schon ein wenig Sorgen zu machen, dass sie nun nach Romeos Verschwinden auch weg wäre. Als ich dann den Rollbalken vom Wohnzimmer aufzog und das Fenster öffnete, sah ich sie in der Wiese sitzen. Rund um sie eine Menge grauer Federn und einige davon in ihrem Maul.
 
"Oh, Gott", so dachte ich bei mir, "sie hat schon wieder einen Vogel erwischt."
Sie ließ den Vogel los und begann mit ihm zu spielen. Zu meiner Überraschung begann die Taube zu fliegen, aber nicht sehr hoch, sodass die Katze sie wieder runterholte. Entsetzt beobachtete ich dieses, für mich grausame, Spiel.
 
Der Vogel lebte noch, also hätte er eine Chance, wenn ich die Katze von ihm trennen konnte, allerdings befand ich mich noch im Pyjama. Die Katze brachte mir jedoch, vermutlich damit ich mit ihr mitspiele, den Vogel auf den Balkon!
 
Überall Federn und die Taube bewegte sich noch.
 
Es gelang mir, die Katze in die Wohnung zu locken, sodass der Vogel zunächst einmal in Sicherheit war.
 
Er lag am Rücken so nahe bei der Balkontür, dass ich nur seine Schwanzfedern sehen konnte, aber auch, dass er kräftig atmete. "Vielleicht würde er überleben", so hoffte ich.
 
Die Katze miaute natürlich die ganze Zeit, weil ich sie von ihrem Spielzeug getrennt hatte.
 
Ich war böse auf die Katze und verstand nicht, warum Katzen Tiere nur zum Spaß töten, oder anders gesagt, ihre Opfer zu Tode spielen. Die Mäuse fressen sie zumindest teilweise, aber die Vögel bleiben meistens liegen, sobald sie sich nicht  mehr bewegen. Zumindest die größeren Tiere, wie Amseln oder Tauben.
 
Es ist die Natur der Katze, ihr Instinkt. Aber was genau ist das für ein Instinkt, ein Tier solange zu jagen, bzw. damit zu spielen, bis es tot ist, um es dann einfach liegen zu lassen?
Ich könnte es noch verstehen, wenn die Katze das erlegte Tier fressen würde. Jagen des Hungers wegen, oder um zu Überleben. Das macht zumindest Sinn, aber jagen  nur um zu töten.. macht das Sinn?
 
Den Katzen vergeben wir, weil sie ja so süße Schnurrer sind. So kuschelig sein können.  Belinda ist auch eine ganz Süße  mit ihren lange Haaren und ihren Beinen, die so tollpatschig aussehen und mehr an ein Kuscheltier erinnern, als an eine eiskalte Jägerin. Solange wir mit dieser Tatsache nicht direkt konfrontiert werden, wie ich heute Morgen wieder einmal, solange ist auch alles ok. So lange lieben wir unsere "Stubentiger".
 
Aber wenn der Tod, oder das versuchte Töten so nahe an mich heran kommen, da stelle ich auch meine Liebe zur Katze sehr in Frage. Gleichzeitig ist mir aber bewusst, dass wir Menschen in mancherlei Hinsicht auch nicht viel anders sind.
 
Ich denke an die Massentierhaltung, wo wir um den "Hunger" zu stillen, Tiere auf unwürdige Weise züchten, um  sie dann zu töten. Das ganze um den Hunger der Menschen zu stillen, gleichzeitig erzeugen wir aber viel zu viel, sodass jede Menge der geschlachteten Tiere weggeworfen werden.
 
Ist es wirklich nötig, dass das Angebot an Fleisch- und Wurstwaren so groß ist? So groß, dass viel zu viel davon im Müll landet. Ist Leben so wenig wert?
Früher gab es am Sonntag den Sonntagsbraten, oder Schnitzel. Darauf hat man sich gefreut und es geschätzt. Heute konsumieren wir vielerorts Fleisch, ohne darüber nachzudenken oder sogar dankbar zu sein, dass dafür ein Lebewesen sein Leben gelassen hat.
 
Ich persönlich esse kein Fleisch mehr und es fehlt mir auch nicht. Ich möchte mir nicht anmaßen, jemanden bekehren zu wollen, allerhöchstens zum Nachdenken anregen, ob (täglicher) Billigfleischkonsum wirklich eine Notwendigkeit  ist - vor allem tut es dem Körper auch nicht wirklich gut.
 
Letztlich muss dies jedoch jeder für sich selbst entscheiden.
  
Ich denke darüber nach, was ich tun könnte, um der Taube zu  helfen. Immer wieder schaue ich auf den Balkon. Nach einer Weile sehe ich, dass sie sitzt und später langsam über den Balkon spaziert und immer wieder nach wenigen Schritten stehen bleibt.....am Rücken hat sie kaum mehr Federn.
 
soll ich
.....einen Käfig besorgen, damit sie sich geschützt erholen kann?
.....sie zu einem Tierarzt bringen?
.....die Wildtierhilfe anrufen?
 
"Es ist nur eine Taube." Aber was bedeutet "nur" eine Taube? Ist eine Taube weniger wert, als ein anderes Tier? Ich weiß schon, dass Tauben sehr oft Schädlinge sind, aber hier auf meinem Balkon sitzt ein Tier, dass verwundet wurde, dem heute schon Übles passiert ist, das vermutlich Todesangst hatte. Kann ich es auf "nur eine Taube" reduzieren, der keine Hilfe zusteht?
 
Ein paar Körner habe ich ihr hingestellt und kollodiales Silberwasser, aber sie nimmt es nicht an....
 
Ich denke daran, dass  sich die Menschheit in  mancher Hinsicht  nicht so sehr von der Katze unterscheidet.
Die Katze tötet den Vogel, weil sie vorher spielen wollte - wie oft werden Menschen gequält oder sterben Menschen, weil jemand anderer Profit gemacht  (also Spaß) hat?
 
Ich schiebe diese trüben Gedanken beiseite und beschließe für mich, mich noch mehr in Achtsamkeit zu üben. Anfangen kann ich  nur bei mir selbst.
 
Noch während ich diesen Blog verfasse, schaue ich nach der Taube und  stelle fest, dass sie weg ist. Ich finde sie auch nirgendwo in der Wiese.
 
Ich bin froh und dankbar, dass sie es geschafft hat und aus eigener Kraft davon fliegen konnte.
 
Der Katze vergebe ich  natürlich - morgen werde ich sie schon wieder streicheln - heute ist sie noch in "Ungnade". Es ist ihre Bestimmung, so zu sein und das zu tun, was sie  macht - Jagen.
So gibt es auch Menschen, die eine Bestimmung haben, die uns missfallen mag.
 
Jedoch ist jedes Missfallen ist eine Chance es für sich selbst anders zu machen bzw. nach-zu-denken.
 
Schon Michael Jackson setzte sich in seinem Lied  "Heal the world" für eine bessere Welt ein.
 
Von Herz zu Herz
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
(c) Erika Klann

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