Samstag, 14. Mai 2016

Ein Ausflug mit mir - vom süßen "Nichts-Tun"

Es war  ein wunderschöner Frühlingstag, als ich beschloss mit dem Fahrrad zu einem meiner Lieblingsplätze zu fahren.
 
Wenn ich mir dieses Ziel vornehme , dann muss ich viel Zeit einplanen, weniger weil die Anfahrt so lange ist, sondern weil ich dort ewig verweilen könnte.
 
Es handelt sich um einen "Berg" mit 218 m Seehöhe – ja, bei uns im Flachland nennt sich schon fast alles Berg, wo man ein paar Schritte hinauf muss. Ist aber egal, ob Berg oder Hügel  - Tatsache ist, dass man von diesem Lieblingsplatz sehr weit sieht und fast einen Rundumblick hat.
 
So überwand ich die kurze Bergwertung und gelangte zum besagten Platz wo eine sehr einladende Bank schon auf mich wartete.
Ich nahm Platz und schaute mal auf der einen Seite übers Land, dann drehte ich mich wieder für eine Weile zur anderen Seite und betrachtete den sich mir bietenden Ausblick.
 
Eine Zeit lang legte ich mich auf die Bank, bestaunte die Wolken, konnte sogar die eine oder andere Wolken-Figur erkennen. Manche wirkten wie riesengroße Wattebäusche und trotz des Windes, schienen sich die Wolken am Himmel eher langsam fort zu bewegen.
 
Ich war so entspannt, dass ich sogar sekundenschnell in Tagträumereien fiel.
 
Ich lauschte dem Wind, den Vögeln bei ihrem Gesang, den Fasanen, die immer wieder "aufschrieen". Beobachtete die Schmetterlinge wie sie sich in der Sonne wärmten. Manchmal kam mich eine Biene oder eine Fliege besuchen. Ich nahm das Summen wahr. Den Duft der Sträucher die ringsum anzufinden waren. Manchmal stieg ein Flugzeug auf. Züge schlängelten sich durch die Landschaft, manchmal begegneten sich zwei davon. Ein Traktor fuhr über ein Feld. Der Wind spielte mit den wachsenden Halmen der Felder, sodass dieser Anblick an die Wellen eines Sees erinnerte. Da der Wind in die andere Richtung wehte, konnte man die Geräusche der in einiger Entfernung liegenden Straße gar nicht hören. Die Grillen zirpten und die Sonne streichelte meine Haut und meine Seele.
 
Ich wurde gar nicht müde, mir immer wieder alles anzuschauen und einfach nur alle Eindrücke in mich aufzunehmen. Einfach schauen und wahrnehmen was da alles ist. Die Blumen in ihren wundervollen Farben - einfach alles.
 
Nachdem man von diesem Platz auch bis Wien sieht, versuchte ich mir vorzustellen, wie es in dem Moment wohl in der Stadt sein würde. Das war kaum machbar für mich.
Obwohl der "Berg" nicht so hoch ist, hatte ich das Gefühl ganz weit weg von allem zu sein. Wie ein Adler in seinem Nest.
 
Nach knapp 2 genussvollen Stunden des Nichts-Tun und "nur" Schauen brach ich langsam auf, um wieder nachhause zurück zu kehren. Das fiel mir gar nicht so leicht, weil es dort oben einfach so friedlich und wundervoll war.
 
Nur sitzen und schauen, einfach annehmen und genießen was der Moment bietet. Zeit  nur mit mir. Mein Kopf war so frei, wie selten. Es gab nichts zu denken. Einfach nur zu sein, verbunden mit allem was war. Auf der Heimfahrt fühlte ich mich unendlich beschenkt.
 
Früher wäre so etwas für mich undenkbar gewesen. Jede Minute war irgendwie mit Beschäftigungen eingeteilt, später kam dann das Laufen als "Ausgleich". Diese Laufzeit war zwar  Zeit für mich, was ich sehr schätzte,  aber dennoch war ich wieder in Bewegung. Mir war das damals gar nicht so bewusst, weil es mir ja auch Spaß machte. Es gab eine Zeit, in der ich regelrecht laufen "musste" und so wichtig ich es auch empfinde, dass man "in Bewegung bleibt", so habe ich heute die Freiheit erlangt, immer ganz bewusst zu entscheiden, wie ich meine Freizeit verbringe. Aktiv oder Passiv. Es ist, wie so oft, das Mittelmaß, worauf es ankommt.
 
Nichts-tun und es genießen zu können ist ein Lernprozess, aber wenn man es einmal erfahren hat, dann holt man sich diesen Genuss immer wieder sehr gern zurück.
 
Von Herz zu Herz





































(c) Erika Klann

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