Sonntag, 1. Mai 2016

Verantwortung - wo fängt sie an und wo hört sie auf?

 
Im Duden wird der Begriff Verantwortung so beschrieben:
 
"Mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht"
 
Wenn du diesen Text liest... merkst du, dass Verantwortung nichts Grenzenloses ist.
"einen möglichst guten Verlauf nimmt", "möglichst keinen Schaden nimmt"
Diese Beschreibung gefällt mir sehr gut, weil die Verantwortung auch an ihre Grenzen stößt und doch etwas Gutes ist.
 
Ich selbst habe mich sehr oft für Dinge verantwortlich gefühlt. Manchmal habe ich vielleicht sogar die Verantwortung  an mich gerissen oder mir auch umhängen lassen. Nämlich  nicht für Dinge, die ich getan hatte, sondern ich fühlte mich verantwortlich, für meine Eltern, meine Kinder, Partner, Kollegen, Freunde und wem auch immer.
 
Ich picke jetzt nur einen Punkt heraus - die Verantwortung für Kinder.
 
Wo fängt diese an und wo hört sie auf?
 
Ok, mit der Schwangerschaft beginnt sie, aber wann hört sie auf?
 
Ich sage mal im Groben hört sie auf, wenn  Kinder das Erwachsenenalter erreicht haben, selbsterhaltungsfähig sind und ihr eigenes Geld verdienen (können).
 
Bis zu diesem Zeitpunkt haben Eltern, manchmal nur ein Elternteil oder andere Erziehungsberechtigte, in den meisten Fällen und in ihrem Rahmen alles getan, (siehe oben) "um einen möglichst guten Verlauf" zu erzielen - zum Wohle des Kindes.
 
Aber was  macht man, wenn sich ein Kind entschieden dagegen wehrt - Erwachsen zu werden? Für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen? Soll man es sein ganzes Leben lang weiter tragen? Auch wenn es die eigenen Kräfte und finanziellen Möglichkeiten überschreitet?
 
Wie geht man vor, um einen möglichst guten Verlauf zu erzielen?
 
Da war eine Familie, die nur einen Sohn hatte. Ein früheres Kind war ihnen nach der Geburt verstorben. Natürlich wurde die ganze Liebe und der Schmerz auf dieses eine Kind gelenkt. Der Sohn erlernte einen Beruf, aber irgendwann wollte er nicht mehr arbeiten und gab immer wieder gute Jobs auf. Im Haus der Eltern hatte er eine eigene Wohnung, und zahlte seine Rechnungen nicht. Um einer Schande zu entgehen übernahmen die Eltern verschiedenste Kosten, Auto, Strom usw. Der Sohn half auch dem Vater nicht, wenn er ihn brauchte, im Gegenteil, es war kein gutes Auskommen. Das zur Verfügung stehende Geld setzte er in Alkohol, Drogen und Zigaretten um. Er war noch keine 50 Jahre, als er eine Gehirnblutung erlitt und seit dem Zeitpunkt in einem Pflegeheim ist.
Die Mutter sagte einmal: "Ich habe oft überlegt, ob wir ihn vielleicht zu verwöhnt haben."
 
Ein anderes Beispiel handelt ebenfalls von einem Sohn, der in die Drogenabhängigkeit abgerutscht war und es den Eltern lange verheimlichen konnte, aber irgendwann flog wegen des Geldes alles auf. Der Sohn versprach eine Therapie zu machen, erlitt zuhause so starke Entzugserscheinungen, dass der Vater in seiner Not Drogen besorgte.....
(soweit ich in Erfahrung bringen konnte, wurde dieser Sohn nie clean)
 
Ein weiteres Beispiel:
Der Sohn eines Firmeneigentümers arbeitet im Unternehmen mit. Er ist ein Chaot, kann sich Dinge nur schwer merken, kommt oft zu spät und vergeigt das eine oder andere. Der Chef will das nicht wahrhaben, übergibt dem Sohn noch dazu eine leitende Funktion, bei der alle anderen Mitarbeiter die Fehler und Unfähigkeit des Sohnes abfedern und auffangen müssen.
 
Alle drei Söhne haben eines gemein - sie lügen, betrügen und hintergehen.
Warum ist nicht schwer zu erraten.
 
Diese 3 Beispiele sind sehr grob beschrieben und liegt hinter jedem Fall eine individuelle Familiengeschichte was bedeutet, dass verschiedene Energien aus dem jeweiligen System einwirken. Dort könnte ein möglicher Ansatzpunkt zur Lösung verschiedenster Verstrickungen zu finden sein. Dafür eignet sich Aufstellungsarbeit wunderbar.
 
Ich verstehe in allen 3 Fällen die Eltern und will es weiß Gott NICHT bewerten, aber tun oder taten sie ihren Kindern einen Gefallen damit, dass sie ihren erwachsenen Söhnen nicht die volle Verantwortung für ihr Leben übergaben - mit allen Konsequenzen?
 
Wie weit soll Mutter/Vater/Elternliebe gehen? Ist es wirklich Liebe, allumfassend einzuschreiten, etwas durchzukämpfen, wenn das Kind sämtliche Lebensweisheiten oder Ratschläge missachtet?  Muss man weiter  machen, wenn man erkennt, dass diese Form der Unterstützung keinen guten Verlauf nimmt? Dass keine Hilfestellungen oder Vorschläge zur Veränderung oder Verbesserung angenommen werden. Muss man sich über seine Grenze bis zur Selbstgefährdung wagen? Muss man immer zur Verfügung stehen?
 
Wenn ich mir diese Erklärung von Verantwortung noch einmal durch lese, dann ist das nicht so... man muss nicht....
 
Verantwortung (lt. Duden):
"Mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht"
 
Wenn dieser "bestimmte Rahmen" überschritten ist, wenn du an deine Grenzen gestoßen bist, wenn du alles für dich "Notwendige und Richtige" getan hast, aber es dennoch "keinen guten Verlauf nimmt", dann bist du frei von dieser Verantwortung.
 
Es gibt Grenzen an die wir alle stoßen - immer wieder und letztlich ist für jede/n wichtig seine eigenen Grenzen zu erfahren und erkennen. Den unterm Strich gibt es in jeder/frau/mann Leben eine Hauptverantwortung und das ist die für das EIGENE Leben, für die EIGENE Gesundheit.
 
Das Geschriebene gilt natürlich nicht nur für erwachsene Kinder, sondern sämtliche "Ver-bindungen". Vielleicht hast du selbst schon die Erfahrung gemacht, dass es Menschen gibt, denen du einfach nicht (weiter)helfen kannst, die immer wieder Gründe finden, warum dies oder jenes ihnen nicht helfen kann.
 
Wenn du dich dem Gedanken öffnest, dass jede Seele auf diese Erde gekommen ist, um ihre Erfahrungen zu machen, jede auf ihre Art und Weise, dann kannst du auch leichter los-lassen. Es muss dir nicht immer gefallen, aber es macht es leichter. Wenn du das nicht kannst, dann kannst du dir selbst Hilfe suchen und an DIR arbeiten. Mit der Zeit wird das auch  Kreise ziehen, vor allem zeigst du denen die sich an deiner "Verantwortlichkeit" nähren, dass es Zeit geworden ist, ebenfalls in die SELBSTVERANTWORTUNG (lt Duden - Verantwortung für das eigene Handeln) zu gehen.

 
Von Herz zu Herz
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
(c) Erika Klann
 
 
 
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